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| Brief description |
1. Aktionstage wg. NS-Kriegsverbrechen in Sant' Anna di Stazzema
2. Heil-Ruf vom Rednerpult
3. Situation der Roma in Europa
4. Ausländeramt will Schulbesuch verhindern |
| Type |
Magazin |
| Language |
deutsch |
| Subject area |
International, Politics/Information |
| Series |
zip-fm - Gesamtsendung |
| Production Date |
10.05.2006 |
| Author/s |
wolli |
| Radio |
Radio Unerhört Marburg (RUM) 90,1 MHz
Rudolf-Bultmannstraße 2b
35039 Marburg
fon: 06421/683265, fax: 06421/961995
mail(at)radio-rum.de
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| Length |
30:00 minutes |
| Name/Size |
20060510-zipfm1005-12548.mp3 / 14064 kB |
| File type |
MPEG-1 Layer 3, 64 kbit/s, Mono, (44100 kHz) |
| Date |
26.01.2008/21:17 |
| Lizenz |
Creative-Commons Nichtkommerziell, Bearbeitung erlaubt,
Weitergabe unter gleicher Lizenz erwünscht.
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| Script |
Hallo und willkommen zum zip-fm vom Mittwoch, den 10.05.06. Diesmal von Radio Unerhört Marburg.
Da haben wir es doch gestern im zip-fm glatt vergessen, uns selbst zu feiern. Denn gestern gab es schon das 600. zip-fm.
Heute gibt es aber dagegen inhaltlich nichts zu feiern. Zwar geht es im ersten Beitrag um einen Jahrestag, nähmlich dem 62. des Überfalls auf Sant' Anna di Stazzema, zu feieren ist das aber wahrlich nicht. Aber es war Anlaß genug um Aktionstage vor den Wohnhäusern der Täter und der zuständigen Staatsanwaltschaft zu veranstalten. Mehr dazu im ersten Beitrag von Radio Z aus Nürnberg.
Das die faschistische Vergangenheit noch lebendig ist, zeigt nicht nur die Verschleppung von Prozessen gegen Naziverbrecher. In Österreich sorgte ein Heil-Ruf vom Rednerpult eines Parteitages der FPÖ für Aufregung. Dazu mehr in unserem 2. Beitrag von der Radiofrabrik Salzburg.
In Deutschland wird dagegen öffentlichkeitswirksam über eine Inschrift gestritten, die auf einem Mahnmal für die Opfer des Holocaust an den Siti und Roma stehen soll. Die Situation der Roma in Europa birgt viel handfestere Probleme. Mehr im 3. Beitrag von Radio Corax aus Halle.
Und zum Schluß der Sendung widmen wir uns in einem Beitrag von Radio LoRa aus München dem ganz alltäglichen Rassismus in Deutschland. Der besteht mit nichten nur aus zuschlagenden Rassisten wie in Potsdam. Nein er kommt auch z.B. aus Amtsstuben, die einem Kind verbieten die Schule zu besuchen. Und das in Bayern, einem Land das öffentlich versucht gegen Schulverweigerer vorzugehen.
Ein halbes Jahrhundert lang blieben sie unbehelligt: die SS-Männer, die im August 1944 560 BewohnerInnen eines norditalienischen Dorfes umgebracht haben. Es war eines der größten Massaker an der Zivilbevölkerung in Italien während des 2. Weltkriegs. Doch erst 2005 wurden 10 der damals beteiligten SS-ler in La Spezia, Italien, zu lebenslanger Haft verurteilt. Absitzen müssen sie ihr Urteil nicht: Deutschland liefert seine Staatsbürger nicht aus.
Die Täter nicht länger unbehelligt lassen wollen verschiedene antifaschistische Initiativen. Deshalb zogen sie in den vergangenen Tagen in verschiedenen Städten vor die Häuser von sieben ehemaligen SS-Angehörigen, die an diesem Massaker in Sant Anna di Stazzema beteiligt waren. Die Herren Kriegsverbrecher schweigen weiter: sie ließen sich nicht blicken, setzen ihren Fuß nicht vor die Türe.
Am Montag folgte dann der zweite Teil der Aktionstage, da gings zur Stuttgarter Staatsanwaltschaft. Die ermittelt nämlich seit 2002 schon, ohne dass eine Anklage auch nur in Sicht ist. Mittlerweile wird ihr Verschleppung und Verzögerung vorgeworfen.
Maike Dimar von Radio Z aus Nürnberg sprach über die Proteste mit Lars Reissmann vom "AK Sant Anna" aus Hamburg, der die Aktionstage initiiert hat:
http://freie-radios.info/portal/content....
Bei uns um die Ecke sind auch noch andere Gestrige. Beim Landesparteitag der Wiener FPÖ beendete Walter Sucher vom „Ring Volkstreuer Verbände“ seine Rede mit einem „kräftigen Heil für die Zukunft“. Im folgenden Interview mit Anton Prlic von der Radiofabrik Salzburg bewertet Brigitte Bailer vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes den Umstand, dass beim FPÖ-Landesparteitag mit Walter Sucher ein bekannter Rechtsextremer am Rednerpult zu hören war.
http://freie-radios.info/portal/content....
Das Faschismus und Rassismus kein ausschließlich deutsches und österreichiches Thema sind, zeigt z.B. die Situation der Roma in Europa. Mehr als 8 Millionen Roma leben in Europa. Sie sind die größte ethnische Minderheit in der EU und doch haben Sie kaum eine Stimme. Sie sind die Gruppe von Menschen, die am meisten diskriminiert wird und kaum Zugang zu einem chancengleichen Leben bekommt. Gerade hat die Europäische Beobachtungsstelle für Rassismus und Fremdenfeindlichkeit einen neuen Bericht über die Bildungssituation der Roma in allen 25 Mitgliedsstaaten vorgelegt. Die Ergebnisse lassen auf eine anhaltende sowie systematische Diskriminierung schließen. Andrea Seifert vom Projekt „Europaradio“ bei Radio Corax aus Halle hat mit Beate Winkler, der Direktorin von EUMC der Europäische Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, gesprochen.
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Das Deutschland nun vor dem Europäischen Gerichtshof verklagt wird, passt auch zu unserem nächsten Thema. Denn in deutschen Amtsstuben regiert nicht zu selten der pure Rassismus. Grundrechte? Verfassung? Scheiß was drauf. Ausländer sollen raus.
Selam wurde 1987 in Äthiopien geboren. Inzwischen lebt das Mädchen seit Jahren als Flüchtling in Deutschland. Selam hatte in Äthiopien nie Lesen und Schreiben gelernt, was sie bei der Einschulung in Deutschland vor größte Probleme stellte. Die Regelschule konnte sie nicht bewältigen und kam daraufhin zum Schlau Projekt nach München. Schlau steht für Schulanalogen Unterricht für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.
Noch nicht anerkannte Flüchtlinge unterliegen in Deutschland aber auch der Residenzpflicht, brauchen also für jedes Verlassen des Landkreises eine Erlaubnis der Ausländerbehörde. Diese Erlaubnis hatte Selam, bis kürzlich das Ausländeramt Fürstenfeldbruck dem Mädchen die Erlaubnis zum Verlassen des Landkreises entzog, und ihm damit den Schulbesuch unmöglich macht. Radio LoRa aus München fragte den Schulleiter Michael Stenger, was das für Konsequenzen hat.
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In der Bayerischen Verfassung ist festgeschrieben, dass jedes Kind ein Recht auf Schulbesuch hat. Jedes Kind, und hier wird nicht nach legal und illegal, nicht nach dauerhaftem oder vielleicht nur vorübergehendem Aufenthalt unterschieden. Der Leiter des Ausländeramtes Fürstenfeldbruck will Druck auf das Mädchen ausüben, doch hier hat er sich wohl vergaloppiert. Das ist kein Einzelfall: Wenn es darum geht, Repressalien gegen Migranten und Flüchtlinge durchzusetzen, überschreiten Behörden häufig ihre Kompetenzen, missachten Rechte und Grundrechte. Es ist davon auszugehen, dass die Anordnung des Landratsamtes nicht lange Bestand haben wird. Dem Mädchen Salam wird aber damit wieder vor Augen geführt, dass es schutzlos ausgeliefert ist; dass es von den Behörden hier nicht gewollt ist.
Genug für heute zum wütend werden.
Wer mehr hören will, sei wie üblich auf unsere Webseiten zip-fm.net oder freieradios.net verwiesen. Und Morgen gibt es natürlich auch wieder ein zip-fm aus Nürnberg.
Und ich wünsche euch dennnoch einen schönen Tag.
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